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EssCalc
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by Marcus Schwarz ·

Was Barrierefreiheit für EssCalc heißt — und was sich dafür getan hat

Eine Ernährungs-App ist ein Werkzeug, das täglich benutzt wird. Oft mehrmals am Tag, oft in Eile, oft mit einer Hand am Joghurt-Becher und der anderen am Telefon. Für sehende Menschen mit ruhiger Hand ist das ein Komfort-Thema. Für jemanden mit Sehschwäche, mit motorischen Einschränkungen oder mit komplettem Sehverlust ist es ein Zugangs-Thema: entweder die App funktioniert mit Tastatur und Vorlese-Software, oder sie existiert für diese Person schlicht nicht.

Ich habe aktuell keinen Nutzer, der auf so etwas angewiesen ist. Trotzdem ist Barrierefreiheit nichts, was man später noch dranklebt — wer sie gleich mitführt, hat es leicht; wer sie nachholt, hat es schwer. In dieser Runde habe ich mir das Thema komplett vorgenommen.


Bedienbar auch ohne Maus

Wer die App komplett mit der Tastatur bedienen will, kommt jetzt überall hin: durch alle Felder, in alle Menüs, in alle Dialoge. Wo der Tastatur-Fokus gerade steht, ist immer sichtbar markiert. Am Seitenanfang gibt es einen kleinen Sprunglink direkt in den Hauptinhalt — spart Screenreader-Nutzern, jedes Mal durch die Navigation steppen zu müssen. Dialoge, die sich öffnen, geben den Fokus beim Schließen sauber an den Knopf zurück, von dem sie ausgelöst wurden.


Lesbar auch bei wackeligen Augen

Alle Texte und Bedienelemente haben jetzt überprüfte Farbkontraste — wer schlecht sieht, am Strand auf dem Telefon liest oder einfach nur einen müden Tag hat, profitiert direkt. Erfolg, Warnungen und Fehler werden nie nur über die Farbe transportiert: es gibt immer ein Symbol oder einen Hinweis dazu, damit Rot-Grün-Schwache dieselbe Information bekommen wie alle anderen.

Wer im Betriebssystem (Windows, macOS, iOS, Android, Linux) die Option zum Reduzieren von Animationen aktiviert hat — typisch bei Migräne oder Schwindelempfindlichkeit — bekommt von EssCalc keine ausladenden Übergänge und keine fließenden Einblendungen mehr. Die Funktionalität bleibt, die Bewegung verschwindet. Eine eigene Einstellung dafür braucht EssCalc nicht; was ihr im System gewählt habt, übernimmt die App automatisch.


Bilder mit Beschreibungen

Beim Upload eines Lebensmittel- oder Rezept-Bilds könnt ihr jetzt eine Beschreibung mitgeben. Das Feld ist optional. Unter dem Feld liegt ein Link auf eine kurze Hilfeseite, die erklärt, was eine gute Beschreibung ausmacht — Hauptobjekt nennen, Farbe und Form skizzieren, keine Wertungen.

Wer eine Vorlese-Software benutzt, hört dann statt nur „Bild" eine konkrete Beschreibung des Inhalts. Bleibt das Feld leer, sagt EssCalc das ehrlich, statt vorzugeben, das Bild sei rein dekorativ.

Eingabefeld für die Bildbeschreibung im Rezept-Formular, mit Link zur Hilfeseite


Suchen und Bestätigungen verständlich angesagt

Die Lebensmittelsuche im Tagebuch ist für eine Vorlese-Software jetzt klar als das erkennbar, was sie ist: ein Suchfeld mit einer Trefferliste darunter. Wer mit den Pfeiltasten durch die Treffer wandert, bekommt gesagt, welcher Eintrag gerade markiert ist — statt einer namenlosen Folge von Knöpfen.

Und Bestätigungen wie „Eintrag gespeichert", „Eintrag wiederholt" oder Hinweise auf Formularfehler werden ab jetzt einmal höflich angesagt, statt mehrfach oder gar nicht.


Was ich noch nicht weiß

Ich habe das Ganze mit allen Werkzeugen geprüft, die mir im Browser zur Verfügung stehen — automatische Tests, Tastatur-Durchläufe, Vorlese-Simulation in den Entwicklerwerkzeugen. Was ich nicht hatte: jemanden, der EssCalc tatsächlich mit einer echten Vorlese-Software im echten Alltag bedient. Und das ist ein Unterschied. Die Werkzeuge sagen mir, ob die Mechanik stimmt; sie sagen mir nicht, wie es sich anfühlt, die App damit wirklich zu benutzen.

Wenn ihr selbst auf assistive Technologie angewiesen seid oder jemanden kennt, der EssCalc damit ausprobieren würde — ich freue mich sehr über Rückmeldung. Was holprig klingt, wo der Fokus springt, wo eine Ansage fehlt: das sind genau die Hinweise, die ich aus dem Labor nicht herausziehen kann.


Wie immer

Feedback, Fehlerberichte, Ideen — und besonders Erfahrungen aus dem Alltag mit assistiver Technologie — gerne an service@esscalc.de. Wer noch keinen Zugang hat, kann sich über die Warteliste eintragen oder dort nach einem Einladungscode fragen.